Warum Erbenermittlung?
Wenn ein Erblasser kein Testament oder eine andere letztwillige Verfügung hinterlassen hat, tritt im Erbfall immer die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Hierbei bestimmt dann das deutsche Erbrecht per Gesetz, welcher Verwandte welchen Anspruch am Erbe hat. Allerdings sind viele Familien durch Zerrüttung gespalten oder es existieren evtl. nur noch entfernte Verwandte, die mit dem Erblasser in keiner Beziehung gestanden haben und zu denen es keine Informationen gibt. Generell gehört die Erbenermittlung zunächst einmal zu den Aufgaben des Nachlassgerichts bzw. zu den Aufgaben des vom Gericht eingesetzten Nachlasspflegers.
Erbenermittlung
Als Erbenermittlung bezeichnet man die Suche nach den Verwandten eines Erblassers, die aufgrund gesetzlicher Erbfolge als Erben des Verstorbenen in Frage kommen. Nach den Vorschriften des BGB obliegt die Ermittlungspflicht dem Nachlassgericht, oder aber dem vom Nachlassgericht eingesetzten Nachlasspfleger. Ist ein Nachlasspfleger bestellt, gehört zu seinem Wirkungskreis auch die Erbenermittlung (Genealogie). Der Nachlasspfleger betreibt die Erbenermittlung jedoch auch nur, soweit dies vom Aufwand vertretbar ist.
Erbschein
Der Erbschein ist in Deutschland ein amtliches Zeugnis. Es ist eine öffentliche (gerichtliche) Urkunde, welche für den Rechtsverkehr feststellt, wer Erbe ist und welchen Verfügungsbeschränkungen dieser unterliegt. Der Erbschein stellt dabei auf das Erbrecht zur Zeit des Erbfalls (Todeszeitpunkt) ab. Die Erteilung eines Erbscheins setzt die Erbschaftsannahme voraus. Der Nachweis des Erbrechts ist aber nicht immer zwingend durch Erbschein zu erbringen, soweit durch Gesetz oder Vertrag etwas anderes festgelegt wurde.
Was ist der Auftrag?
Eine Erbenermittlung ist zumeist mit einer umfangreichen detektivischen Forschung verbunden, egal, ob sie nun von Nachlassgerichten, Nachlasspflegern oder privaten Ermittlern ausgeführt wird. Dabei werden neben Informationen aus einem Testament dann auch Auskünfte aus vielen Registern eingeholt und zahlreiche Geburts-, Ehe- und auch Scheidungsurkunden sowie Wohnsitzmeldungen geprüft.
Ferner ist es notwendig, einen Familienstammbaum des Erblassers zu entwickeln. Außerdem können die Gerichte und Nachlasspfleger auch auf öffentliche Medien zurückgreifen und Anzeigen schalten, durch die sie in öffentlichen Bekanntmachungen nach den Erben suchen. Dadurch kann die Suche auf einen größeren Radius ausgedehnt werden und es können auch Suchanfragen im Ausland gestellt werden.
Jeder ermittelte Erbe muss mit urkundlichen Nachweisen belegt werden. Folglich muss die Erbfolge anhand von sogenannten Personenstandsurkunden nachgewiesen werden. Nicht nur für den faktisch lebenden Erben sind Urkunden notwendig, sondern auch für alle bereits verstorbenen Familienmitgliedern.
Hier gelangt der Ermittler in zeitliche Regionen, die sehr schwierig zu recherchieren sind. Der Ermittler, also der Nachlasspfleger, trifft neben nicht digitalen Unterlagen beispielsweise auch auf ein altertümliches Schriftbild, das es zu entziffern gilt.
Fundierte Kenntnisse in der Genealogie, ein Verständnis für Geschichte im Bereich von Kriegsgeschehene und Auswanderungen, aber auch die Fähigkeit alte Schriften zu lesen bildet eine wesentliche Herausforderung im Alltag eines Nachlasspflegers bzw. Erbenermittlers.
Gesetzliche Erbfolge
Das deutsche Erbrecht ordnet die als gesetzliche Erben in Betracht kommenden Verwandten des Erblassers nach Verwandtenordnungen ein. Die Regelungen sind in §§ 1924 ff. BGB zu finden.
Erbfolge nach Ordnungen
Verwandte einer vorhergehenden Ordnung schließen die Verwandten nachfolgender Ordnungen von der gesetzlichen Erbfolge aus. Innerhalb der ersten Ordnung schließt ein lebendes Kind seine eigenen Nachkommen aus. Ist das Kind bereits verstorben, treten seine Nachkommen an seine Stelle. Für die zweite und dritte Ordnung gelten eigene Regeln zur Erbfolge innerhalb der Familienzweige. Ab der vierten Ordnung gelten andere Verteilungsregeln: Leben noch Urgroßeltern, erben diese innerhalb dieser Ordnung allein. Andernfalls entscheidet bei ihren Nachkommen der nähere Verwandtschaftsgrad. Für fernere Ordnungen gilt dies entsprechend.
Wer erbt neben den gesetzlichen Erben?
Ehepartner: Neben den gesetzlichen Erben haben auch Ehepartner und eingetragene Lebenspartner ein gesetzliches Erbrecht. Sie stehen gleichberechtigt neben den gesetzlichen Erben. Lebensgefährten: Die Lebensgefährten einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft sowie einer nicht eingetragenen Lebenspartnerschaft sind keine gesetzlichen Erben.
Kinder: Nichtehelich geborene und adoptierte Kinder stehen den leiblichen Kindern gleich. Sie erben gleichermaßen als gesetzliche Erben. Stiefkinder und Pflegekinder sind keine gesetzlichen Erben.
Der Fiskus als Erbe
Wenn kein gesetzlicher Erbe (Verwandter, Ehegatte oder eingetragener Lebenspartner des Erblassers) vorhanden ist, erbt der Staat. Dies entspricht dem Grundsatz der unbeschränkten gesetzlichen Erbfolge des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Gesetzlich geregelt ist das Fiskalerbrecht in § 1936 BGB.
Die gesetzliche Erbfolge im Überblick
Die gesetzliche Erbfolge in Deutschland lässt sich am besten verstehen, wenn man die dahinterliegende Geschichte kennt. Unsere germanischen Vorfahren vertraten die Auffassung: „Das Gut folgt dem Blut“. Erben waren immer der Clan oder die Sippe.
Überblick nach deutschem Recht. Die Gruppen richten sich nach der Verwandtschaft zur verstorbenen Person. Das Schaubild zeigt keine Erbquoten.
Die nähere Ordnung hat Vorrang. Verwandte einer vorhergehenden Ordnung schließen die Verwandten der nachfolgenden Ordnungen aus. § 1930 BGB
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3. Ordnung Großeltern und ihre Nachkommen Zum Beispiel Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins § 1926 BGB
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5. und weitere Ordnungen Weitere Voreltern und ihre Nachkommen Zum Beispiel Ururgroßeltern und deren Nachkommen § 1929 BGB
Innerhalb einer Ordnung erben nicht automatisch alle hier genannten Personen gemeinsam.
Das Erbrecht aus Ehe oder eingetragener Lebenspartnerschaft wird gesondert berücksichtigt. Es kann neben dem Erbrecht von Verwandten bestehen oder zur alleinigen Erbschaft führen.
Wie wird innerhalb einer Ordnung unterschieden?
Erste Ordnung: Ein lebendes Kind schließt seine eigenen Nachkommen von der Erbfolge aus. Ist ein Kind bereits verstorben, treten seine Nachkommen an seine Stelle.
Zweite und dritte Ordnung: An die Stelle bereits verstorbener Eltern oder Großeltern der verstorbenen Person können deren Nachkommen treten. Die Einzelheiten regeln § 1925 und § 1926 BGB.
Ab der vierten Ordnung: Leben noch Urgroßeltern, erben diese innerhalb dieser Ordnung allein. Leben keine Urgroßeltern mehr, entscheidet unter ihren Nachkommen der nähere Verwandtschaftsgrad. Für die ferneren Ordnungen gelten diese Regeln entsprechend.
Der Nachlasspfleger als Genealoge
Erbenermittlung und Nachlasspflege ist eine Symbiose! Der Nachlasspfleger schlägt die Brücke zu vorherigen Generationen, wenn es der Erblasser verpasst hat, seinen Nachlass zu regeln. Die nächsten (teils bekannten) Angehörigen haben den Bezug zu einzelnen Familienmitgliedern im Laufe der Jahre aus den Augen verloren. Noch weiter entfernt man sich im Laufe seines Lebens von Onkeln, Tanten, Großeltern und sonstigen Verwandten. Kriegszeiten, dabei auch Flucht und Auswanderungen in der ersten Hälfte des vorherigen Jahrhunderts, schaffen zusätzliche Hürden. Zu all dem kommen schlecht erfasste Daten, fremde Sprachen, alte Schriften in Urkunde sowie ein anderes Verständnis von Urkunden und Archiven mit internationalem Blickwinkel.
Warum man alte Schriften lesen können muss !
Erst seit 1953 wurde die uns heute bekannte Schreibweise eingeführt. Sie trägt den Namen "Vereinfachte Ausgangsschrift" und ist eine Lateinschrift. Dabei wurde im wesentlichen die Schreibweise der Buchstaben vereinfacht und die Formen an die uns heute bekannten Druckbuchstaben angenähert.
Zuvor gab es eine Reihe von Schriftarten, die allgemein bekannteste ist wohl die Sütterlinschrift.
Alte Urkunden, die für einen Erbschein zwingend benötigt werden, sind in dieser Schreibweise verfasst. Überwiegend wurde von Hand mit Feder und Tinte geschrieben.
Das gilt es heutzutage zu entziffern und zu transkribieren - für ein Nachlassbüro mit eigener Erbenermittlung unerlässlich!


Einblicke in die genealogische Arbeit
Familienregister, Urkunden, alte Handschriften und Stammbäume gehören zu den Quellen der Erbenermittlung. Die Aufnahmen aus dem bisherigen Auftritt zeigen historische Unterlagen und ihre Bearbeitung im Büro.
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